Laut Handbuch des neuseeländischen Ski- und Snowboardlehrerverbands NZSIA wird das Tempo bei der Abfahrt vor allem über die Form der Kurven im Verhältnis zur Falllinie kontrolliert:
- Geschlossene (vollendete) Kurve: Das Board wird gesteuert, bis es quer zur Falllinie steht; für steile Hänge und harten Schnee.
- Offene (nicht vollendete) Kurve: Das Board bleibt nahe der Falllinie; hält das Tempo auf flachen Hängen und Verbindungswegen.
Die Zifferblatt-Übung der NZSIA macht das greifbar: Stell dir den Hang als Uhr vor, die Falllinie zeigt auf 6. Fährst du deine Kurven von 3 bis 9, sind sie geschlossen, von 4 bis 8 offen, von 5 bis 7 sehr offen. Je offener die Kurve, desto schneller wirst du.
Die Grundlagen verbundener Kurven erklären wir im Ratgeber zu verbundenen S-Kurven; hier geht es darum, Größe und Form derselben Kurve nach Wunsch zu verändern.
Laut NZSIA wird die Kurve umso größer, je länger das Board in der Falllinie bleibt oder je langsamer die Bewegungen ausgeführt werden. Das Handbuch schlägt außerdem eine Zählmethode vor, um den Rhythmus zu finden:
| Kurve | Zählen (Lernhilfe) | Bewegungen |
|---|
| Klein | Etwa 2 Sekunden | Mehr und schneller getimte Rotation |
| Mittel | 3–4 Sekunden | Ausgewogen |
| Groß | 5–6 Sekunden | Weniger Rotation, über längere Zeit verteilt |
Diese Sekunden sind keine Definition, sondern eine Hilfe, um den Rhythmus zu halten.
Die NZSIA unterscheidet Kurven nach der Spur, die das Board im Schnee hinterlässt:
- Gerutschte Kurve: Geringer Kantenwinkel und Drehen (Pivot); für Anfänger und für erfahrene Fahrer, die langsamer werden wollen.
- Gekantete Kurve: Eine schmalere Spur, aber noch keine feine Linie.
- Carving: Kein Drehen und kein Rutschen; im Schnee bleibt eine Spur, so fein wie ein Bleistiftstrich.
Laut NZSIA gilt: Je größer der Steuerwinkel, desto mehr rutscht das Board; beim perfekten Carving ist dieser Winkel null. Das heißt nicht, dass es beim Carving gar keine Rotation gibt; die Körperbewegungen laufen weiter, drehen das Board aber nicht. Carving erklären wir ausführlich im Ratgeber Snowboard-Carving.
- Die Phasen verschmelzen: Laut NZSIA gehen Vorbereitung, Einleitung, Steuerung und Abschluss ineinander über, je kleiner und schneller die Kurven werden; bei einer kleinen, offenen Kurve gibt es fast keinen Abschluss mehr.
- Anziehen (Retraction): Das Board wird durch Anziehen der Beine zum Körper geholt, und so wird die Kante gewechselt. Die NZSIA empfiehlt diese Methode für kleine Kurven, Tiefschnee und Buckel.
- Schnellere Rotation: Kleine Kurven brauchen mehr Rotation in kürzerer Zeit.
- Geschlossene Kurven im Steilen: Je steiler das Gelände, desto kleiner und geschlossener müssen die Kurven sein. Wie der Kantenwechsel an steilen Hängen vorverlegt wird, erklären wir im Ratgeber Steile Pisten und wechselnder Schnee auf dem Snowboard.
- Weniger Rotation, mehr Zeit: Die Bewegungen verteilen sich über die Kurve.
- Hochentlastung: Laut NZSIA wird diese Methode, bei der die Beine beim Kantenwechsel am weitesten gestreckt sind, für schnelle große Kurven auf der Piste und im Rennsport eingesetzt.
- Nutze die Taillierung: Die Empfehlung der NZSIA für fortgeschrittenes Carving ist, die Kurvengröße über die Taillierung statt durch Rutschenlassen des Boards zu steuern.
Der Anteil des Boards: Laut NZSIA reicht der Taillierungsradius von Snowboards von etwa 5 Metern bei Kinderboards bis zu 17 Metern bei Rennboards; bei den meisten Snowboards liegt er zwischen 8 und 9 Metern. Ein Board mit kleinem Radius erleichtert kurze Kurven, ein Board mit großem Radius lange Kurven. Die Boardtypen erklären wir im Ratgeber zu den Snowboardtypen.
Beugen und Strecken sind ein Stoßdämpfer. Laut NZSIA zeigt ein flatterndes oder springendes Board, dass der Druck ineffizient gesteuert wird. Die Gelenke arbeiten unterschiedlich: Die Sprunggelenke sind schnell, aber begrenzt in der Kraft, Knie und Hüfte langsamer, aber kräftiger.
Möglichkeiten beim Kantenwechsel:
| Methode | Beim Kantenwechsel | Wo? |
|---|
| Hochentlastung | Am weitesten gestreckt | Anfänger, große und schnelle Kurven auf der Piste |
| Tiefentlastung | Am stärksten gebeugt | Unebenes Gelände; auf höherem Niveau schneller und kontrollierter |
| Anziehen | Das Board wird zum Körper geholt | Kleine Kurven, Tiefschnee, Buckel |
| Gelände | Die Beine geben über der Bodenwelle nach | Buckel, Banked Slalom, Boardercross |
Druck vorne–hinten: Laut NZSIA verteilen Anfänger ihr Gewicht gleichmäßig auf beide Füße. Auf fortgeschrittenem Niveau wird der Druck in der Steuer- und Abschlussphase der Kurve auf das Tail verlagert, um den Kantengriff zu erhöhen, und danach wieder zentriert. Die Regel „Belaste immer den vorderen Fuß“ stimmt deshalb nur für Anfänger. Die Rolle von vorderem und hinterem Fuß findest du im Glossareintrag vorderer und hinterer Fuß.
Reihenfolge der Entscheidungen: Die von der NZSIA empfohlene Reihenfolge ist zuerst die Kante (wann, wie schnell), dann der Druck (wie viel, wohin), dann die Steuerung (wie viel, mit welchem Körperteil).
Rebound: Die Energie, die sich durch Druck im Board aufbaut, kann dich beim Kantenwechsel in die neue Kurve katapultieren. Laut NZSIA ist die eigentlich wertvolle Fähigkeit nicht, diese Energie zu erzeugen, sondern sie zu steuern.
Der US-amerikanische Snowboardlehrerverband AASI fasst die Grundlagen einer guten Kurve in sechs Prinzipien zusammen: den Körperschwerpunkt entlang der Länge und über die Breite des Boards kontrollieren, die Stärke des Drucks zwischen Board und Schnee regulieren und die Neigung des Boards durch Inklination und Angulation, sein Drehen durch Beugen–Strecken und Körperrotation sowie seine Verwindung ebenfalls durch Beugen–Strecken und Rotation kontrollieren.
| Fehler | Folge | Korrektur |
|---|
| Das Tempo durch Druck auf die Kante abbremsen wollen | Die Kante verkantet, abrupte Stopps | Das Tempo durch Schließen der Kurve verringern |
| Kurze Kurven in langsamem Rhythmus fahren | Die Kurven werden größer, das Tempo steigt | Schneller getimte Rotation und Anziehen |
| Bei langen Kurven das Board herumdrehen | Gerutschte, eckige Spur | Auf die Kante kippen, der Taillierung vertrauen |
| Die Beine steif halten | Das Board flattert und springt | Durch Beugen und Strecken den Schnee „schlucken“ |
| In jeder Situation auf dem vorderen Fuß bleiben | Die Kante hält im Abschluss nicht | Auf fortgeschrittenem Niveau im Abschluss Druck aufs Tail, dann zentrieren |
Wer Größe und Form seiner Kurven nach Wunsch verändern kann, findet sowohl auf einer vollen Piste als auch auf einer breiten Morgenpiste die passende Linie; das macht jeden Tag eines Aktivurlaubs schöner. In allen Winterpaketen von Doğadayız sind Unterkunft, Skipass und Ausrüstung inklusive; Unterricht mit Snowboardlehrer gehört zu den Grundkurspaketen. Die Zifferblatt-Übung mit Freunden abwechselnd auszuprobieren und euch gegenseitig die Spuren anzuschauen, gehört ebenfalls zum Pistenspaß einer sozialen Abenteuerreise. Die Programme findest du auf der Seite Winter-Aktivurlaube.