Beim Parallelschwung laufen die Ski auf den Kanten, die zur Bogeninnenseite zeigen. Um in den nächsten Bogen zu kommen, musst du diese Kanten lösen und auf die anderen Kanten wechseln. Nach der Definition aus dem Technik-Handbuch der PSIA, des amerikanischen Verbands professioneller Skilehrer, beginnt dieser Übergang in der Steuerphase am Bogenende und dauert bis zum Beginn des neuen Bogens. Dabei tauschen dein Körperschwerpunkt und deine Ski die Plätze: Der Körper, der innen im Bogen war, wechselt auf die Innenseite des neuen Bogens, die Ski auf die andere Seite des Körpers.
Die CSIA, der kanadische Skilehrerverband, erklärt den Grund physikalisch: Solange im Bogen eine Zentripetalkraft wirkt, muss der Körperschwerpunkt zur Bogeninnenseite; je größer die Kraft, desto weiter innen ist der Körper. Wenn der Bogen die Richtung wechselt, muss auch der Körper die Seite wechseln.
Die fünf Grundprinzipien, die die PSIA 2014 in ihre nationalen Standards aufgenommen hat, bilden den Rahmen für Kanten- und Druckkontrolle:
- Lenke den Druck entlang des Skis, indem du die Position des Körperschwerpunkts relativ zur Unterstützungsfläche kontrollierst.
- Lenke den Druck von Ski zu Ski und auf den Außenski.
- Steuere den Kantwinkel über eine Kombination aus Inklination und Angulation.
- Steuere das Drehen der Ski über die Beinrotation, getrennt vom Oberkörper.
- Reguliere die Stärke des Drucks, der zwischen Ski und Schnee entsteht.
Diese Prinzipien behandeln wir auch im Hinblick auf die Bogenqualität im Ratgeber Carving-Technik.
Der Übergang beginnt mit dem Lösen der alten Kante. Laut CSIA heißt Kanten lösen, den Kantwinkel der Ski vorhersehbar und kontrolliert zu verringern, und das kommt im Unterricht oft zu kurz. Wird die Kante nicht rechtzeitig gelöst, bleiben die Ski im alten Bogen, und in den neuen Bogen kommst du nur durch Drehen und Rutschen. Die Grundlage für das Lösen der Kanten ist das Seitrutschen.
Es gibt zwei Wege, die Kante zu lösen, und beide werden je nach Situation eingesetzt:
| Weg | Was passiert? | Wo ist er nützlich? |
|---|
| Der Körper wandert über die Ski | Das neue Außenbein streckt sich, der Körper bewegt sich zur Innenseite des neuen Bogens | Mittlere und lange Bögen, glatte Piste |
| Die Ski wandern unter dem Körper durch | Das alte Außenbein beugt sich und wird kürzer; die Ski wechseln unter dem Körper die Seite, während der Körper an seinem Platz bleibt | Kurze Bögen, Buckel, dynamische Übergänge bei hohem Tempo |
In englischsprachigen Quellen heißen diese beiden Wege „Crossover“ und „Crossunder“; die Verbände definieren diese Begriffe in ihren öffentlich zugänglichen Texten allerdings nicht. Die Zusammenfassung von Skitrainer Ron LeMaster bei einem Seminar des Norwegischen Skiverbands folgt derselben Logik: Um in den neuen Bogen zu kippen, nimmst du entweder dem unteren Fuß die Unterstützung oder führst den Oberkörper auf einer geraderen Linie.
Laut dem Bewertungsleitfaden der PSIA gilt bei einem guten Übergang:
- Beide Ski haben Schneekontakt.
- Beide Ski werden gemeinsam in den Bogen gesteuert.
- Der Kantwinkel beginnt im Unterschenkel, unabhängig vom Oberkörper.
- Während des ganzen Übergangs ist eine leichte Gegendrehung zu sehen: Der Körper schaut etwas weiter talwärts als die Richtung, in die die Ski fahren.
- Der Körper bleibt stabil, während sich die Beine darunter frei bewegen.
Mit größerem Kantwinkel wird die Kontaktfläche des Skis mit dem Schnee kleiner und der Druck größer; die PSIA erklärt damit, warum Kante und Druck zusammenhängen.
Laut CSIA sorgt der Außenski im Bogen für den meisten Halt: Größerer Kantwinkel und mehr Druck entstehen am Außenski, und das Außenbein ist gestreckter und dadurch kräftiger. Das Gewicht wird durch Beugen und Strecken von Sprunggelenk, Knie und Hüfte von einem Ski auf den anderen verlagert.
Das heißt nicht, dass der Innenski nutzlos ist. Die PSIA will, dass beide Ski auf dem Schnee bleiben und gemeinsam in den Bogen gesteuert werden. Feste Verhältnisse wie „das ganze Gewicht auf den Außenski“ stehen in den Texten der Verbände nicht.
Wie die CSIA erklärt, verstärkt Druck vorne die Neigung des Skis, von selbst zu drehen, Druck hinten verringert sie. Welches Gelenk du bewegst, entscheidet darüber:
| Bewegung | Wohin geht der Körperschwerpunkt? |
|---|
| Sprunggelenk beugen | Nach vorne |
| Hüfte beugen | Nach vorne |
| Knie beugen | Nach hinten |
Die Anweisung „Beug die Knie“ allein kann dich also in Rücklage bringen; Kniebeugung ohne Beugung im Sprunggelenk verlagert das Gewicht auf die Skienden. Das ist auch der Indikator im Bewertungsleitfaden der PSIA: Beide Unterschenkel sollten einen ähnlichen Vorlagewinkel haben. Zur Haltung lies den Ratgeber Die richtige Grundhaltung beim Skifahren.
Die CSIA vergleicht Beugen und Strecken mit der Federung eines Autos: Sie steuern den Schneekontakt und die Stärke des Drucks.
- Hochentlastung: Im Übergang streckst du dich und nimmst so Last von den Ski; das ist auf glatter Piste und bei Anfängern verbreitet.
- Tiefentlastung: Im Übergang beugst du dich schnell und nimmst so die Last weg; die CSIA nennt diese Bewegung in Buckeln als Beispiel.
Laut PSIA ist Carving ein Bogen mit hohem Druck; Beugen und Strecken sind entscheidende Bestandteile der Druckkontrolle, aber nicht der einzige Faktor. Im weichen Schnee kann zu viel Druck dazu führen, dass der Ski einsinkt. Wie du dich an die Schneeverhältnisse anpasst, erklären wir im Ratgeber Skifahren bei wechselnden Schneebedingungen.
Die CSIA definiert Timing als wann, wie lange und wie intensiv eine Bewegung ausgeführt wird. Typische Timingfehler beim Kantenwechsel:
| Fehler | Folge | Korrektur |
|---|
| Die Kante zu spät lösen | Die Ski bleiben im alten Bogen, in den neuen kommst du nur durch Drehen | In der Steuerphase am Bogenende mit dem Lösen der Kante beginnen |
| Zuerst den oberen Ski öffnen (Stemmen) | Die Ski öffnen sich zum Pflug | Beide Kanten gemeinsam lösen, auf den unteren Ski achten |
| Den Körper mit den Schultern drehen | Die Ski rutschen, die Kante greift nicht | Den Bogen mit den Beinen einleiten, Körper ruhig |
| Nur die Knie beugen | Das Gewicht geht auf die Skienden | Auch das Sprunggelenk beugen, Unterschenkel nach vorne geneigt |
| Die ganze Last auf dem Innenski lassen | Der Ski rutscht, Gleichgewichtsverlust | Den Druck auf den Außenski lenken |
Der Stockeinsatz hilft ebenfalls beim Timing: Laut LeMaster gibt er im Übergang seitlichen Halt. Den Stockrhythmus erklären wir im Ratgeber Skistöcke richtig einsetzen.
Sitzt der Kantenwechsel, verbinden sich die Bögen nahtlos, und dieselbe Piste macht viel mehr Spaß; bei einem Aktivurlaub ist das der Moment, in dem du deinen Fortschritt am deutlichsten spürst. In allen Winterpaketen von Doğadayız sind Unterkunft, Skipass und Ausrüstung inklusive; Unterricht mit Skilehrer gehört zu den Grundkurspaketen. Am Ende des Tages gemeinsam die Videos der anderen anzuschauen und darüber zu reden, „wie viel flüssiger dein Übergang geworden ist“, gehört ebenfalls zu den schönen Seiten einer sozialen Abenteuerreise. Die Programme findest du auf der Seite Winter-Aktivurlaube.